# 09 Blaue Stunde

Architektur zur blauen Stunde

Endlich eine Gelegenheit eine Bulb-Belichtung mit meiner Rolleiflex zu machen.
Das Exzenterhaus habe ich schon mehrfach fotografiert, weil es mich fasziniert und vielleicht auch, weil es nur ein paar Minuten zu Fuß ist.
Die Perspektive, die es dieses Mal werden sollte, ist nicht weiter spektakulär oder einzigartig, aber ich wollte sie schon lange selbst umsetzen.

Damit sich jeder etwas unter dem Gebäude, liebevoll auch Bandscheibenvorfall genannt, vorstellen kann, hier ein altes Bild von mir, damals noch mit der Canon EOS600D und der 1.8er Plastikscherbe.

Exzenterhaus Bochum durch die Glaskugel
Canon EOS600D | 50mm | f1.8

Mit Stativ bewaffnet bin ich kurz vor 18 Uhr losgezogen, laut der App Photopills sollte die blaue Stunde gegen 18:30 Uhr enden, um ausreichend Zeit zu haben. Es muss schließlich nicht immer so busy sein, wie in der vorherigen Woche.
Einmal um den Exzenter herumgelaufen, immer wieder durch die Kamera geschaut, um den richtigen Spot und den schönsten Blickwinkel zu finden.

Anmerkung am Rande: Ich setze die Kamera meist erst dann aufs Stativ, wenn ich meine Perspektive gefunden habe. Ansonsten siegt die Faulheit und die besten Kompositionen gehen an einem vorbei.

Spot gefunden, Kamera aufgebaut, mit der App mylightmeter die korrekten Einstellungen ermittelt. Im Anschluss musste nur noch der Schwarzschildeffekt einkalkuliert werden und alles auf die Kamera übertragen werden.

Anmerkung: Mehr Infos zum Schwarzschildeffekt gefällig? Eine knappe Definition findet sich auch auf wikipedia.

Ich bin gespannt, ob durch die Belichtungsmessung auf die Schatten, die Lichter nicht ausgebrannt sind. Film hat aber eigentlich, gerade der Portra nach oben Spielraum, sodass ich guter Dinge bin, es spätestens in der digitalen Dunkelkammer richten zu können.

Jetzt heißt es nur noch warten, bis die fertigen Bilder aus dem Labor zurück sind…

Exzenterhaus zur blauen Stunde
Rolleiflex | Kodak Portra 160 | f11 | 7,8 Sek.

…da ist es. Mir gefällt es gut, auch wenn es keine spektakuläre Aufnahme des Exzenterhauses ist. Sieht ein bißchen nach einem Roboter aus, oben die beiden leuchtenden Augen.

# 08 Symmetrie im Pott

Rolltreppe in Glaskugel

Diesmal wollte ich von Beginn an bessere Voraussetzungen haben, um länger belichten zu können – keine Stufen sichtbar – und nicht unbedingt auf Blende 22 – weniger Verzerrung – angewiesen sein.
Daher habe ich anstelle des Portra 400 einen 160er eingelegt. Die Komposition wollte ich diesmal nicht nachmachen, sondern neu interpretieren und da ich sowieso an einer Miniserie arbeite (dazu später in diesem Jahr mehr), habe ich meine Glaskugel inkl. Glassockel eingepackt.
Um möglichst wenig Gefahr zu laufen, beim Auslösen oder der Belichtung zu verwackeln, waren Drahtauslöser und Stativ obligatorisch.
Ansonsten benötigte ich noch das Rolleinar 3 (Nahlinse), um möglichst nah an die Glaskugel heranzukommen.

Naja, wir sind ja mitten im Februar, da muss man 20 Grad Celsius und strahlenden Sonnenschein einkalkulieren…nicht. Aber da dem so war, blieb es trotz ND-Filter bei 1-sekündiger Belichtung, zumindest wenn ich mit Blende 16 fotografieren wollte.

Durch die Glaskugel würden eh weniger Details zum Vorschein kommen, sodass ich mir deswegen keine großen Sorgen zu machen brauchte.

Das Bild dient nur als Platzhalter, bis die entwickelten Negative endlich bei mir ankommen. Boah, ich sollte langsam wirklich anfangen, selbst zu entwickeln. Dann muss ich nicht immer bis zu zwei Wochen warte…Geduld zählt definitiv nicht zu meinen Stärken.

Platzhalter, das finale Bild gibt es weiter unten

Viel mehr Sorgen machte ich mir über die korrekte Fokussierung, der schräge Lichteinfall, die tiefe Position der Kamera und der verhältnismäßige kleine Schärfebereich machten es nicht unbedingt einfacher. Zusätzlich blieben mir immer nur 10 bis 20 Sekunden, um alles aufzubauen, die Komposition zurechtzurücken und den Fokus zu justieren, bis die nächsten Besucher auf der Rolltreppe nach unten kamen.
Im Endeffekt machte ich drei Aufnahmereihen à zwei Bilder, je 1 Mal mit und je 1 Mal ohne Glaskugel mit den gleichen Einstellungen, um unerwünschte Bildelemente, wie den Glassockel besser in der Nachbearbeitung entfernen zu können.

Endlich sind die Negative eingetroffen und ich muss sagen, ich war froh, immer eine Aufnahme ohne und eine mit Glaskugel gemacht zu haben. So konnte ich kleine Macken und den Sockel der Glaskugel entfernen, ohne allzu viel Zeit mit Photoshop beschäftigt zu sein.

Kodak Portra 160 | f16 | 1 Sek. | ND4

Sollte ich mich nochmals an diesem Bild versuchen, werde ich allerdings definitiv früh morgens oder spät abends hingehen. Zum einen ist dann das Licht besser, zum anderen ist weniger Betrieb.
Außerdem würde ich mit Selbstauslöser fotografieren, sodass ich nicht in der Glaskugel zu sehen bin.

# 07 Symmetrie im Pott

Rolltreppe in die Vergangenheit

Ursprünglich wollte ich in dieser Woche ein Bild zu Bewegungsunschärfe machen. Dazu sollte sich meine Freundin auf die Rolltreppe an der Zeche Zollverein in Essen stellen stellen und ich fotografiere vom Stativ zwischen 1/4 und 1/15 Sekunde Belichtungszeit, um die Bewegung festzuhalten.

Leider war sie an diesem Sonntag auf Couch, Netflix und ähnliches programmiert, sodass sie zwar nach etwas Überredung meinerseits mitkam, sich aber partout nicht fotografieren lassen wollte.
Dann wird aus der Not eben eine Tugend gemacht und ich versuche, ein Bild nachzustellen, was ich irgendwo online gesehen hatte. Allerdings will ich es nicht – wie gesehen – mit der digitalen Kamera, sondern auf Film umsetzen. Der Titel sollte Symmetrie im Pott lauten.

Langzeitbelichtung der Rolltreppe an der Zeche Zollverein in Essen
Kodak Portra 400 | ND4 Filter | f22.0 | 1 Sek

Vor einiger Zeit hatte ich auf einer Kamerabörse einen selten ND4 Filter für meine Rollei aufgestöbert und den konnte ich nun endlich testen. Doof nur, dass ich noch eine etwas zu schnelle Rolle Kodak Portra 400 eingelegt hatte und ich somit „nur“ auf 1 Sekunde Belichtungszeit kam.

Etwas mehr Belichtungszeit hätte vielleicht noch die letzten Konturen der Treppenstufen verschwinden lassen, aber auch so bin ich mit dem Resultat sehr zufrieden. Trotzdem wird es kommende Woche eine zweite Version dieses Fotos durch meine Glaskugel geben.

Wer mehr meiner Bilder sehen will, findet mich auf Instagram unter tamokbutton oder auf 500px .