# 22 Instant vintage

Vor ein paar Wochen entdeckte mein Schwiegervater in spe eine alte Polaroid 630 SL beim entrümpeln. Was liegt da näher, als das Fundstück der Woche umgehend zu mir zu bringen?

Freudestrahlend habe ich noch am selben Abend nach dem passenden Farbfilm geschaut, der glücklicherweise von Impossible Project neu aufgelegt wurde. 

Sonntag hatte ich geplant, ein paar weitere Infrarotbilder aufzunehmen, da der Himmel dafür vielversprechend aussah. Also habe ich zusätzlich zur Zweiäugigen noch die kleine Polaroid eingepackt, um auszuprobieren, ob bei helllichtem Tag, sinnvolle Fotos rauskommen.

Tiger & Turtle Duisburg

Glücklicherweise war ich ziemlich früh unterwegs, sodass nur ein anderer Mensch da oben rumturnte.
Unglücklicherweise hatte ich nicht mehr auf den Schirm, wie wenig Platz rund um die Treppe ist, sodass ich mit der mitgebrachten Festbrennweite nicht allzu viel Spielraum hatte, um alles aufs Bild zu bekommen.

Innenhafen Duisburg

Es kam beinahe einer Stadtrundfahrt mit vielen Einbahnstrassen und Sackgassen gleich, von der Halde zum Innenhafen zu gelangen, da die komplette Innenstadt wegen eines Marathons gesperrt war. Trotzdem hat sich der Weg gelohnt und ich will mir das Gelände bald genauer anschauen. Bei Nacht ist der Hafen toll illuminiert, da versinkt sicher viel Unnötiges in der Dunkelheit und nur das Sehenswerte bleibt zurück.

Innenhafen Duisburg

Hier wollte ich die Beine des einen Krans als Rahmen für den zweiten nutzen. Allerdings fiel mir durch den Sucher nicht auf, dass eine Strebe des Bauzauns auf meinem Bild zu sehen sein würde. Dummerweise hatte ich nicht bedacht, dass Sucher und Objektiv zueinander versetzt sind.

Fazit:
Es macht Spaß, auch einfach mal nur zu knipsen und der Sound, wenn die Bilder ausgeworfen werden, ist der Hammer. Die Bildqualität hat ihren Charme, hat aber erwartungsgemäß ihre Grenzen, aber das ist ja auch nicht die Intention. Der eingangs erwähnte Spaß steht meiner Meinung nach im Vordergrund.
Zwei Dinge stören mich allerdings, der Preis von ca. 2 Euro pro Bild und dem Plastikmüll inkl. der verbauten Batterie in den Einwegkassetten. Daher werde ich, nach den ersten beiden Cartridges, nur sehr selten mit der Kamera fotografieren.

#19/20 Mutare

Die unendliche Geschichte

Es war einmal ein kleiner Nerd, namens Klein-Tammo, der sich in den Kopf gesetzt hatte, eins der sehr seltenen Mutare für seine geliebte Rolleiflex zu besorgen…

…also zog er los, um sein Glück zu finden. Allerdings entpuppte sich das Unterfangen schnell sehr viel komplizierter als erwartet. Obwohl das Schicksal es anfangs gut mit ihm zu meinen schien. Bei seinem beinahe allwöchentlichen Besuch bei Meister Museler kamen sie ins Gespräch, dass Klein-Tammo auf Suche nach einem 0,7er Mutar sei. Kaum ausgesprochen, verschwand Meister Museler und kehrte alsbald mit einem Lederholster nebst beider existierender Mutare zurück.

Klein-Tammo vermochte sein Glück kaum zu fassen und konnte nur einen Tag später die gesuchten Schätze – einzeln wollte Meister M sie nicht hergeben – sein Eigen.

Zuhause angekommen wurden sowohl Weitwinkel- als auch Televorsatz gründlich unter die Lupe genommen. Äußerlich befanden sich beide in absoluten top Zustand, auf dem 0,7x war lediglich ein Schmierfilm im unteren Drittel der großen Linse zu sehen. Das sollte allerdings für einen flüssigen Objektivreiniger keine sonderliche Herausforderung darstellen.

Doch weit gefehlt! Nach einer gewissen Einwirkzeit sollte alles mit einem Reinigungspapierchen abgewischt werden können. So rieb Klein-Tammo und er rieb, um schlussendlich erschrocken festzustellen, dass die milchige, schmierige Stelle nicht verschwunden war, sondern sich gar vergrößert hatte.

Also, alles wieder eingepackt und ab zu Meister Museler. Selbst verwundert, diesen Mangel übersehen zu haben, bot er peinlich berührt an, den Kauf rückgängig zu machen. So schnell wollte Klein-Tammo allerdings nicht die Flinte ins Korn werfen. Meister M verwies zur Diagnose auf den Optiker seines Vertrauens, der sich auch umgehend bereit erklärte, einen Blick auf die Linse zu werfen. Schnell war klar, die fünf Jahrzehnte hatten ihre Spuren hinterlassen. Die Vergütung löste sich in ihre Bestandteile auf.

Mutar mit sich lösender Vergütung
Schmierfilm im unteren Drittel

Glücklicherweise gibt es die Glasmanufaktur noch und vielleicht würde sie mit Lösungsvorschlägen aufwarten können. Nach Klein-Tammos E-Mail gingen ein paar Tage ins Land bis tatsächlich eine Antwort mit den Kontaktdaten eines potentiellen Servicepartners. Gleichzeitig wurden allerdings auch Zweifel ob der Wirtschaftlichkeit des Unterfangens gesät.

Derart motiviert rief er den genannten Kontakt an: „kein Anschluß unter dieser Nummer!“. Auch im Internet waren nur alte Einträge zu finden. Ärgerlich, aber nicht das Ende der Welt, sofern Carl Zeiss einen weiteren, noch existierenden Kontakt hätte. Hatten sie und zwar einen in Görlitz.

Dem folgenden Telefongespräch konnte Klein-Tammo zwei Dinge entnehmen:

  • Zeiss muss dringend seine Kontakte auf Vordermann bringen, denn auch diese Firma ist nicht zuständig.
  • In Görlitz gibt es tatsächlich jemanden, der vielleicht helfen kann.

Klein-Tammo schrieb eine E-Mail an das Optiklabor Dr. Prenzel. Nachdem selbiger zurückgerufen hatte, keimte zum ersten Mal so etwas wie Hoffnung. Sofern die Demontage reibungslos verlaufen würde, könne er das Glas polieren und zusammen mit einer Charge seiner eigenen Linsen neu vergüten. Der genannte Preis klang zudem äußerst akzeptabel.

Trotzdem blieb eine gehörige Portion Skepsis. Noch könnte alles zurück abgewickelt werden, nach einem missglückten Reparaturversuch eher nicht.

Meister Museler würde die Kosten für die Überarbeitung der Linse übernehmen. Zuvor wollte er allerdings mithilfe eines Testfilms prüfen, ob der Makel sich überhaupt auf den Bildern bemerkbar machen würde…nach Entwicklung & Scannen war klar, dass das Mutar entweder nach Görlitz oder in die Schrottpresse musste.

Zwischenzeitlich hatte Klein-Tammo in der italienischen Bucht ein weiteres Mutar mit passendem Bajonettanschluss, aber insgesamt erbärmlichem Gesamtzustand inkl. beschädigtem Coating für „kleines“ Geld erstehen können. Das als Testballon an oben genanntes Optik-Labor versandt wurde. Im Erfolgsfall würde es verkauft, bei Misserfolg abgeschrieben werden.

Ca. drei Wochen gingen ins Land, bis das italienische Mutar zurückkehrt und Klein-T mag sein Glück fast nicht glauben, das Glas sieht aus wie neu.

Den ersten Weitwinkelaufnahmen stand jetzt nur noch der verbogene obere Bajonettanschluss im Weg. Aber das sollte doch eine Kleinigkeit sein, oder? Eine Kamerabörse und eine stundenlange Recherche in der Bucht förderten kein passendes Ersatzteil zutage, sodass der Odyssee eine Fortsetzung drohte. Während des Besuchs bei der Familie seiner Freundin fand er einen Feinmechaniker in Breslau. Dieser wollte und konnte für 100 PLN (ca. 23 Euro) helfen. Gleich nach Rückkehr in Bielawa begab sich Klein-Tammo auf die Suche nach der ersten geeigneten Motiven und wenn er nicht gestorben ist, dann sucht er wohl noch heute…Fortsetzung folgt!

Rolleiflex 3,5f mit angeschlossenem 0,7x Mutar
Fast neu, abgesehen von den beiden Dellen

#18 Haustier fotografieren

Happy Teddy

Passend zum Thema der Vorwoche sollte wieder Nachwuchs abgelichtet werden, statt menschlicher diesmal tierischer Natur. So hatte ich auch keine Bedenken, die Ergebnisse an dieser Stelle zu veröffentlichen.
Unser zweijähriger Zwergpudel Teddy fühlt sich im Rampenlicht wohl, da meine Freundin ihn mindestens täglich und in jeder erdenklichen Lebenslage fotografiert. Die Zusammenführung mit dem Chihuahua-Welpen Happy von Lauras bester Freundin war ebenfalls bereits erfolgreich verlaufen.
An meinem freien Donnerstag stand Krabbelgruppe Nummer zwei an, sodass ich spontan die Kamera geschnappt habe und mich im Garten auf die Lauer gelegt habe.

Auf was ist zu achten:
– Perspektive auf Augenhöhe und Klamotten, die dreckig werden dürfen
– Schnelle Verschlusszeit
– Fokus auf Servo und trotzdem sitzt er nicht bei jedem Bild
– Serienbildfunktion
– Geduld, weil die kleinen Gangster machen, was sie wollen

Die Rasselbande

EOS 6D | 50mm
EOS 6D | 50mm
EOS 6D | 50mm

#17 Erster Geburtstag

Statt Pinhole – Birth-Day

Letzten Sonntag hatte ich eigentlich vor, im Westpark ein paar Aufnahmen der Gebläse- und der Jahrhunderthalle im goldenen Abendlicht mit meinem kleinen Pappkameraden anzufertigen, damit der Film auch irgendwann voll wird und vorzeigbare, vielleicht sogar sehenswerte Ergebnisse herauskommen.

In meinem Arbeitsalltag gehören die meisten Samstage zum Pflichtprogramm und während der Hochsaison, bleibt wenig Freizeit. Da ich die letzten beiden Wochen allerdings durchgezogen und mein Patenkind zu ihrem ersten Geburtstag geladen hatte, entschied ich, nur samstags vormittags zu arbeiten. Danach ab ins Auto und 350 km durch die Republik, um überraschend die Party zu crashen.

So wurde kurzerhand das Thema der Woche in „Kinderporträt“ geändert, (fast) alles Analoge zuhause gelassen und nur die DSLR mit lichtstarker 50mm Festbrennweite eingepackt. Einfach aus dem Grund, weil ich mit meinen analogen Kameras zu langsam mit dem Fokus bin, um die quirligen Wesen scharf abzubilden und alle 12 Aufnahmen der Film zu wechseln gewesen wäre. Außerdem hatte ich nur s/w Film mit ausreichender Lichtempfindlichkeit auf Vorrat und ich wollte passend zu Stimmung und Witterung auf Farbe nicht verzichten.

Für die Aufnahmen, die ich üblicherweise mache, benötige ich keinen Blitz. Daher nenne ich lediglich einen kleinen Aufsteckblitz mein Eigen und kenne mich in der Thematik auch nicht besonders aus, weswegen ich auf einem Kindergeburtstag, der hauptsächlich innen stattfand, nicht damit anfangen wollte. Folglich mussten entweder der ISO hochgeschraubt und/oder die Blende sehr groß sein. Ich entschied mich für eine Kombination aus beidem, da ich besser mit etwas Bildrauschen als mit ungewollter Bewegungsunschärfe leben kann.

Anmerkung am Rande: Die offene Blende hat einen weiteren gewichtigen Vorteil, dass wenig fotogene Dinge im Hintergrund in Unschärfe absaufen und so nicht vom eigentlichen Motiv ablenken.

Jetzt hieß es nur noch, den Fokus auf Servo zu stellen, dass selbiger nachgeführt und nicht mehr Ausschuss als nötig produziert würde. Und schon konnte es, mit Konzentration auf Mutter und Kind – von beiden hatte ich in Vergangenheit zu wenige Aufnahmen gemacht – losgehen.

Da ich nicht stören und möglichst natürliche Bilder haben wollte, verzichtete ich auf jegliche Regieanweisungen, schlüpfte stattdessen in die Rolle des Betrachters und versuchte mit dem richtigen Timing auszulösen. Insgesamt sind ein paar schöne Aufnahmen herausgekommen – Mission accomplished!

Da es sich allerdings um private Bilder handelt und ich sowieso sehr kritisch gegenüber Bildern von Kindern im Netz bin, muss dieser Beitrag gänzlich ohne auskommen.

#16 Infrarot analog

Erste Gehversuche

Fasziniert von den vielen tollen Landschafts- und Architekturaufnahmen auf Instagram und Co mit dem Hashtag #infrared, wollte ich mich irgendwann auch damit auseinandersetzen. Anfänglich war mir aber nicht klar, wie komplex dieses Thema werden kann, v.a. wenn das Ganze auf Film passieren soll und nicht digital und schon gar nicht in der Nachbearbeitung.
Wie kann ein IR-Bild aussehen? Blattgrün wird sehr hell bis weiß dargestellt und der Himmel beinahe schwarz.

Die Wahl des richtigen Films

Nach ersten Recherchen stellte sich heraus, dass es heute fast keine „echten“ Infrarotfilme mehr zu kaufen gibt. Für viel Geld bekommt der IR-Fan zwar umkonfektioniertem Kodak-Film, ein echter Infrarotfilm. Dieser Film ist allerdings so lichtempfindlich, dass er am besten in absoluter Dunkelheit in die Kamera eingelegt und bei gleichen Gegebenheiten wieder herausgenommen werden sollte. Auf den Punkt gebracht, das ist nichts für mich, zumal Lagerung und Verarbeitung ebenfalls Tücken mit sich bringen.

Bei der Filmsuche stieß ich unweigerlich auf den Rollei Infrared 400 und den Ilford SFX 200, beides Filme, die bis in den Infrarotbereich hinein sensibilisiert sind, aber nicht das komplette Spektrum abdecken. Dadurch können die Rollen im Schatten oder in dämmerigem Licht ohne Probleme eingelegt werden. Wegen eines Artikels von Wolfgang Mothes fiel meine Wahl schließlich auf den Ilford, den für mich richtigen Film.

Das restliche Equipment

Neben dem richtigen Film wird auch ein IR-Filter für die Kamera benötigt, ansonsten sehen die Bilder im Anschluss wie normale s/w Aufnahmen aus. Warum dem so ist, kann ebenfalls dem Artikel von Wolfgang Mothes „Märchenhaft monumental“ entnommen werden.
Glücklicherweise bin ich in der Bucht vor einiger Zeit auf einen sehr schwer zu findenden Rollei-IR Filter mit passendem Bajonettanschluss für meine Kamera gestoßen und habe zugeschlagen.

Rollei Infrarot BII

Durch die unterschiedliche Wellenlänge des infraroten Lichts, muss normalerweise eine Fokuskorrektur passieren, ansonsten sind die Bilder später unscharf. Laut Datenblatt soll es der Filter von Rollei überflüssig machen, da er die Fokusverschiebung kompensiert.

Neben Filter, Film und Kamera sind ein Stativ und ein Selbstauslöser mehr als sinnvoll, da die n notwendigen Belichtungszeiten aufgrund des starken Filters nicht mehr verwacklungsfrei aus der Hand geschossen werden können. Eine Gegenlichtblende gegen unerwünschte Reflexe ist ebenfalls sinnvoll.

Ein externer Belichtungsmesser ist natürlich ebenso Pflicht.

Wann ist die beste Zeit?

Infrarotaufnahmen sollen v.a. im Frühling und Anfang Sommer, wenn alles schön grünt, gelingen. Der Morgen oder späte Nachmittag mit strahlendem blauem Himmel sind prädestiniert. Zur Zierde mit ein paar schön anzuschauenden Wolken versehen und tollen Aufnahmen steht nichts mehr im Wege.

Die erste Rolle Film

An Karfreitag war das Wetter endlich so, wie ich mir das vorgestellt habe und zudem sprießt es überall. Also, zuhause den Film in die Kamera gepackt und es konnte losgehen. Als erstes marschierte ich zur Fußgängerbrücke über die Unistraße, diese führt leicht geschwungen auf den Exzenterturm zu und soll als führende Linie fungieren. Außerdem ist sie von Bäumen gesäumt, sodass mit Glück ein wenig des Wood-Effekt zu sehen sein wird.

Danach versuchte ich die Aufnahme aus Woche 9 „blaue Stunde“ in IR erneut aufnehmen und weiter ging es zum Planetarium. Leider war kein einziges Wölkchen am Himmel zu sehen, sodass der Kontrastumfang sich auf den Stahlhelm vor dem beinahe schwarzen Himmel beschränkt.

Zu Fuß ist es von hieraus nicht weit zum Stadtpark und dem Bismarckturm. Vielleicht dachte ich mir, sieht der langsam grün werdende Park von oben interessant aus, außerdem könnte ich einige Sehenswürdigkeiten mit auf die Bilder bekommen. Allerdings war der Blick weniger spektakulär als gedacht, sodass ich wenig Hoffnung auf eine gute Ausbeute habe.

Filmentwicklung

Hierbei bin ich mir leider noch nicht wirklich sicher, wie ich das bewerkstelligen soll, weil ich den oben verlinkten Artikel von Hr. Mothes nicht exakt verstehe. Er schreibt, dass er den Belichtungsmesser aufgrund des starken Filters auf 6 ASA einstellt. Die spätere Entwicklung führt er ebenfalls auf dieser Filmempfindlichkeit durch, wenigstens verstehe ich es so. Ich würde nun auf Nennempfindlichkeit entwickeln. Das gibt mir einmal mehr ein Rätsel auf, zumal ich keine Lust habe, die Negative zu versauen.

Naja, in der Hoffnung auf Erleuchtung habe ich ihn angeschrieben, um möglichst zeitnah Ergebnisse, statt einem leeren Filmstreifen präsentieren zu können.

Zur Not habe ich den empfohlenen Entwickler bestellt, um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein.

Endlich sind sie da und ich bin wirklich zufrieden, obwohl die Schärfe nicht immer zu 100% gesessen hat.

Bei der ersten Aufnahme hatte ich wirklich Schwierigkeiten über die Mattscheibe zu fokussieren, da ich zuviel Lichteinfall durch den Schachtsucher hatte.

#14 Pin hole photos

Videre 35mm Pinhole Kamera

Schon beim Bau der Kamera habe ich mich über die lästigen Klebepunkte geärgert, aber Mr. Ungeduld himself wollte sie in einem Rutsch fertigstellen. Er hätte sich einfach Bastelkleber besorgen sollen…naja, auch so werden hoffentlich ein paar sinnvolle Bilder rauskommen.

„So“ soll heißen, mit Gummis zusammengehalten, mit Pflastern notdürftig erstversorgt. Einziges wirkliches Sorgenkind stellt die Einschlagmutter am Boden der Pinhole-Kamera dar, damit soll das Stativ aufgenommen werden. Sowohl meine Wechselplatten noch mein Ministativ lassen sich sinnvoll festmachen, sodass alleine durch den „Verschluss“ die Bewegungsunschärfe eine Rolle spielen dürfte.

In meinem Garten habe ich gestern zur goldenen Stunde einige Belichtungen gemacht, selbst im warmen Sonnenlicht musste ich ca. 4 Sekunden belichten, im Schatten waren es wahnwitzige 35 Sekunden bei Einbezug des Schwarzschildeffekts, da kommt schnell der Wind in die Quere.

Was will ich neben den Blümchen im Garten und Teddy noch fotografieren? Mit der wahnsinnigen Schärfentiefe bei dieser winzigen Blendenöffnung werde ich versuchen, das ein oder andere meiner alten Lensballbilder erneut aufzunehmen. Dabei bin ich wirklich gespannt, wie viel schärfer der Hintergrund zu sehen sein wird.
Ansonsten werde ich sie an einem meiner liebsten Orte in Bochum – dem Westpark – ausführen und ausgiebig testen.

Glaskugel auf der Fußgängerbrücke im Westpark in Bochum
Rolleicord IIe | Rolleinar 1 | Ilford Delta 400

Was soll ich sagen? Dieses Wochenprojekt (aus dem sicher mehrere Wochen werden) finde ich extrem spannend. Die Kamera aus Pappe, permanent gefährdet auseinander zu fallen, ein Plastikschieber mit Aussparung als Verschluss, der Filmtransport ohne Zählwerk, kein Sucher für die Komposition, kein Grund zur Fokussierung und auch keine Möglichkeit dazu & trotzdem können, nein, werden hoffentlich tolle Fotos dabei herauskommen.

Die Fotos werden nachgereicht…

#13 Pin hole DIY

Videre 35mm Pinhole Kamera

Nachdem ich bei einem anderen Blogger spannende Aufnahmen einer Pinhole Kamera gesehen habe, wollte ich es nun endlich selbst probieren.
Glücklicherweise hatte ich mir vor einiger Zeit über Kickstarter eine Pinhole Kamera aus Pappe geleistet. Um genau zu sein, eine Videre, die von der Optik an eine TLR erinnert und mit 35mm Kleinbildfilm bestückt werden kann. Genau das richtige Spielzeug für einen Fan der zweiäugigen Kameras.

Laut Verpackung sollte ich eine fertige Kamera in ca. einer Stunde in Händen halten. Ich glaube, die Angabe wurde von jemandem geschrieben, der das Modell schon ein paar mal aufgebaut und somit bereits etwas Erfahrung hatte und nicht jeden Arbeitsschritt fotografieren wollte. 🙂

Bis auf wenige Ausnahmen ist die Anleitung, obwohl sie in s/w Skizzen gehalten ist, recht verständlich und auch die Bauteile lassen sich gut durch Nummerierung in den vorgestanzten Rahmen identifizieren.
Wie lange ich schlussendlich gebraucht habe, kann ich gar nicht sagen, weil ich zwischendurch durch meine Freundin abgezogen wurde, da sie ohne Portemonnaie versucht hatte zu tanken und ich sie quasi freikaufen musste…zwei Stunden waren es aber bestimmt.

EOS 6 D | 50mm | f11 |ISO 100 | Verschlusszeiten divers

Die mitgelieferten Klebepunkte sind toll, wenn keine Alternative zur Hand ist, ansonsten aber nicht zu empfehlen, da sie zu dick auftragen und die Klebestellen etwas abstehen.
Ansonsten hatte ich etwas Schwierigkeiten mit dem Lichtschacht aus Tonkarton, da dieser fortgeschrittene Origami-Skills erfordert, die mir fehlen und die kreisrunden Pappteile, die das Objektiv illustrieren, waren ebenfalls trickreich, sowie das Film – Kodak Gold ASA 200 Farbnegativ -einlegen.
Aber hey, schlussendlich habe ich Grobmotoriker es dann doch geschafft, sodass ich in den nächsten Tagen die ersten Feldversuche starten kann…dazu nächste Woche mehr.

#12 Vanitas flores

Verwelkte Blumen

Nach langer Zeit würde ich gerne meine Miniserie „Vanitas Flores“ fortsetzen. Bunte Blumen zu fotografieren ist nicht so mein Ding – „das ist doch was für Mädchen“ – hätten wir früher lautstark kund getan.

Das ist natürlich Quatsch, trotzdem habe ich kein sonderliches Interesse daran, Blumen zu fotografieren. Ich verschenke sie viel lieber und so kam es, dass ein paar Tulpen, die ich frisch gepfl…. beim Discounter unseres Vertrauens gekauft und meinem Mädchen geschenkt habe, irgendwann dann doch etwas vertrocknet und verwelkt waren. Ich fand, dass eine der Tulpen auch nach ihrer Blütezeit interessant aussah. Die Blätter zeigten schöne Strukturen und erst ein paar Tage zuvor hatte ich meine Nahlinsen für die uralte Rolleicord bekommen. Was lag da also näher, als die neue Errungenschaft auszuprobieren?

Zu diesem Zeitpunkt fotografierte ich digital in Farbe und analog konsequent in schwarz/weiß. In eine Kamera aus den 40ern gehört schließlich auch alter Film und dafür stellvertretend stand für mich s/w-Film, obwohl auch das Quatsch ist.
So kam es jedenfalls, das ich farblosen Film geladen hatte, als ich den Test mit den Rolleinaren machte.

Withered tulip - verwelkte Tulpe
Rolleicord II | Ilford Delta 400 | Rolleinar 2

Dieses Mal soll es aber ganz bewußt passieren. Daher besorgte ich mit drei mehrfarbige Schnittblumen, eine Rose, eine Gerbera und eine Ranunkel, die laut Aussage der Floristin sehr morbide verwelken soll. Genau das richtige für mich, daher bin ich gespannt, was dabei schlussendlich herauskommt.

Die Ranunkel wollte ich jeden Tag einmal ablichten, genau aus der gleichen Perspektive und mit ähnlichen Lichtverhältnissen. Dazu durften sich weder Kamera oder Blume bewegen. Daher galt es die Frage zu beantworten, wohin mit dem Aufbau, ohne in der letzten Ecke zu enden oder Gefahr zu laufen, dass wir irgendwann dagegen stoßen.
Auf der Kommode im Schlafzimmer erschien mir am ungefährlichsten. Kamera nebst Protagonist – dämlicherweise inkl. Wasser – aufgebaut, als Hintergrund einen weißen Reflektor genutzt und schon konnte ich loslegen.

iPhone SE

Wie war das? Ich und Geduld sind zwei verschiedene Welten und nachdem an drei aufeinanderfolgenden Tagen, keine wirkliche Änderung festzustellen war, suchte ich nach Wegen, den Prozess des Verwelkens zu beschleunigen.
Das Blumengeschäft empfahl Salz oder einen Haushaltsreiniger, also bekam die Ranunkel eine ordentliche Prise Salz ab, was in der Folge einen viel zu schnellen Tod brachte.

Daher kam dann doch eine gelb-orangfarbene Gerbera zum Einsatz, diesmal ohne Wasser und mit mehr Geduld…

Verwelkende Gerbera schwarz / weiß
Rolleicord IIe | Ilford Panf | f11 | ASA 50 | Verschlusszeiten divers

…die Geduld hat sich bezahlt gemacht. Okay, nächstes Mal nehme ich ein Reagenzglas, damit die Blume mehr Halt bekommt und ich den Bildausschnitt höher ansetzen kann. Ich hätte auch noch mehr Zeit in der Bildbearbeitung verwenden können, damit der Hintergrund gleichmäßiger ausgeleuchtet daherkommt. Hätte, hätte, Fahrradkette, alles in Allem bin ich froh, was am Ende dabei herausgekommen ist.
Trotzdem bin ich für konstruktive Kritik und Anregungen immer offen.

# 11 Doppelbelichtung

Doppelbelichtung mit Selbstporträt

Eine Doppelbelichtung hatte ich mir dann doch etwas einfacher vorgestellt, als es schlussendlich ist/war und das, obwohl ich mich für die digitale Herangehensweise entschieden haben und vorher viele youtube-Videos geschaut habe. Eins vorweg, ich hatte trotzdem sehr viel Spaß – meistens.

Wann stehe ich denn vor der Kamera? So gut wie nie, daher mag ich es auch nicht sonderlich. Für die Wochenaufgabe blieb mir allerdings nichts anderes übrig.
Laura hat sich meine Kamera geschnappt, das 50 mm Sigma war eh schon drauf und es konnte losgehen. „Steh mal so, Kopf hoch, nach vorne, Brust raus, boah, geh mal in die Knie…“ ich wurde ordentlich rumkommandiert und musste in vielen unbequemen Positionen stehen, da der Kommandeur nur knapp 1,60 groß ist, aber von leicht oben fotografieren wollte.
Wie war das mit den Ärzten? Sie sind selbst die schlechtesten Patienten. Das kann 1:1 auf Fotografen übertragen werden. Nach einer halben Stunde hatten wir ein brauchbares Ergebnis, zumindest dachte ich das anfangs.
Im Nachgang stellte es sich als unglücklich heraus, dass wir sehr offenblendig fotografiert haben, dadurch war das Freistellen sehr mühsam, v.a. bei dem Versuch homogene Kanten hinzubekommen.

Nachdem ich kurz davor war, den Computer gegen die Wand zu feuern, entschied ich mich für ein altes Bild von mir aus dem Westpark, das ich immer mit dem Boxsport in Verbindung bringe. Der Kapuzenpulli und meine verbeulte Nase sind daran nicht ganz unschuldig.

APSC | 50mm | f1.8

Daher wollte ich ein Bild einer staubigen Boxhalle oder etwas in der Art mit einbauen. Ich habe dafür sogar eigens zwei nicht ganz billige lizenzfreie Bilder einer Stockfotografie-Seite heruntergeladen, eins mit einer Menge aufgehängter alter Boxhandschuhe und das andere von einer Trainingssession in einer alten Scheune. Es wollte mir jedoch leider nicht gelingen, etwas optisch ansprechendes, aber gleichzeitig nicht kitschiges zu schaffen.
Das ist mir allerdings nicht gelungen, sodass ich die Idee fürs erste verworfen habe. Stattdessen habe ich mein Porträt mit einem meiner Lieblingsbilder aus Island kombiniert. Die beiden Aufnahmen passen schon besser zusammen und ich finde das Resultat ganz passabel.

Das Vestrahorn, einer der atemberaubenden Orte in Island.

Mit Glück finde ich diese Woche noch die Zeit, ein weiteres zu machen, bei dem ich etwas mehr mein Gesicht herausarbeiten kann und der Doppelbelichtungseffekt mehr zum Vorschein kommt.

# 10 Mitzieher

Mitzieher – Panning

Vor ewigen Zeiten wollte ich das erste Mal einen Mitzieher machen, ziemlich genau seit dem Zeitpunkt als Benjamin Jaworskyj ein entsprechendes Video „Mitzieher von Radfahrern“ auf youtube veröffentlicht hat.
Irgendwie war dies in Vergessenheit geraten, bis ich kürzlich ein anderes Video zum Thema „Panning“ gesehen habe. Vielleicht ist es auch deswegen „unterbewußt“ untergegangen, weil dieses Projekt viel Geduld erfordert und Geduld zählt nicht unbedingt zu meinen Stärken.

Egal, jetzt wird es durchgezogen und als Motiv hatte ich eine U-Bahn im Kopf, da die zumindest im Bahnhofsbereich meist ähnliche Geschwindigkeiten fahren und sich auf Gleisen bewegen, was das eh schon schwierige Fokussieren wenigstens nicht unnötig weiter erschwerte.

In Bochum haben wir glücklicherweise ein paar ganz interessante U-Bahn Stationen, zum Teil illuminiert, zum Teil mit Graffiti (offiziell und legal) verschönert.
Gut, dass die beiden aufgesuchten Stationen (Westpark & Bermuda3Eck) unterirdisch sind, sodass ich mir wegen des Sturms keinerlei Sorgen machen musste.

Beim ersten Versuch nahm ich doch tatsächlich die Rolleicord, mal ganz abgesehen davon, dass die 75mm Festbrennweite auf dem kleinen Bahnsteig fast zu lang war, musste ich mit der analogen Kamera schnell aufgeben. Pro einfahrendem Zug hatte ich genau eine Chance, den gewünschten Ausschnitt zu treffen, synchron mit der Bahn die Kamera mitzubewegen, die Geschwindigkeit richtig zu schätzen und dabei auszulösen.

Zug Langzeitbelichtung ohne mitzuziehen
16mm | f7.1 | 1/20 Sek. | ISO 1600

In diesem Fall ist es wirklich problematisch, dass ich nicht sofort prüfen kann, was am gemachten Bild stimmt und was für den nächsten Versuch geändert (z.B. besseres Timing siehe obe, andere Verschlusszeit) werden muss. Sonntags dauert es schon häufiger 10 – 15 Minuten bis die nächste Bahn einfährt. Ich hätte zwar jedes Mal die Bahnsteigseite wechseln können, um weniger lange auf die nächste Chance warten zu müssen, aber nicht ohne jedes Mal alles neu einzustellen.

Egal, Teddy und Laura waren auch dabei und hatten sowieso nach dem dritten Zug keine Lust mehr, v.a. weil es dort unten bitter kalt und zugig war. Sodass wir nach dem vierten Zug abgebrochen haben.
Aller Widrigkeiten zum Trotz habe ich eine Rolle Portra 160 (viel zu langsamer Film, um in U-Bahnhöfen zu fotografieren) verschossen und bin gespannt, ob vielleicht ein Treffer dabei sein wird. Zumal ich neben den Mitziehversuchen, auch ein paar Stills fotografiert habe.

Am darauffolgenden Tag, ja ich weiß, eigentlich ist schon KW11, aber ohne halbwegs sinnvolles Bild wollte und konnte ich das Thema nicht abschließen. So bin ich mit der digitalen Kamera und Stativ zur U-Bahnhaltestelle Bermuda3Eck gegangen und der Spass konnte losgehen.

Weiter unten seht Ihr einen der vielen Versuche des heutigen Tages. Es sollte dauern und viele Züge brauchen, bis ich den Dreh halbwegs raus hatte.
Anfänglich habe ich vom Stativ fotografiert, mit deaktivierten Bildstabilisator; fokussiert hatte ich zuerst manuell, damit zwischen den Auslösungen der Reihenaufnahme nicht noch Zeit für das Nachfokussieren verloren geht.
Dann habe ich die Halbautomatik eingestellt, um eine Verschlusszeit zwischen 1/15 und 1/50 Sek auszuwählen, die Kamera kümmert sich dafür um die Blende. Jetzt musste ich nur noch den ISO-Wert entsprechend nach oben anpassen, um wenigstens Blende 5,6 und damit etwas mehr Schärfentiefe zu erhalten.

Falscher Bildausschnitt, schlechtes Timing und ungleichmäßiges Mitziehen
16mm | f5.6 | 1/40 Sek. | ISO 3200

Nachdem all das keine Wirkung gezeigt hatte und auch nach dem 5. Zug das Mitziehen noch nicht richtig klappen wollte, kam ich nach und nach auf die richtige Spur.
Im ersten Step versuchte ich, die Kamera bei nun eingeschaltetem Bildstabilisator in der Hand haltend nachzuführen. Dies war für mich deutlich einfacher. Somit stimmte meistens der Bildausschnitt.
Jetzt musste nur noch der Fokus richtig sitzen. Dazu stellte ich die Kamera auf AF-Servo und wählte den mittleren Fokuspunkt.

Anmerkung: AF-Servo bedeutet, dass die Kamera bei sich bewegenden Motiven den Autofokus nachführt.

Die berechtigte Frage lautet, warum ich diese Fokusvariante nicht schon zu Anfang angeschaltet habe…, schlicht und einfach aus dem Grund, daß ich bei früheren Gelegenheiten wegen der hohen Fehlerquote sehr viel Ausschuss produziert habe.
Aber in diesem Fall brachte mich das einem brauchbaren Ergebnis näher und weitere zwei Züge später, hatte ich es endlich geschafft.

16mm | f5.6 | 1/50 Sek | ISO 3200

Vielleicht finde ich morgen Zeit, dann versuche ich das Ganze in einer weiteren U-Bahn-Station. Optisch ist sie deutlich ansprechender, aber auch sehr stark frequentiert, sodass alleine die Menschenmassen eine Herausforderung darstellen werden.