# 10 Mitzieher

Mitzieher – Panning

Vor ewigen Zeiten wollte ich das erste Mal einen Mitzieher machen, ziemlich genau seit dem Zeitpunkt als Benjamin Jaworskyj ein entsprechendes Video „Mitzieher von Radfahrern“ auf youtube veröffentlicht hat.
Irgendwie war dies in Vergessenheit geraten, bis ich kürzlich ein anderes Video zum Thema „Panning“ gesehen habe. Vielleicht ist es auch deswegen „unterbewußt“ untergegangen, weil dieses Projekt viel Geduld erfordert und Geduld zählt nicht unbedingt zu meinen Stärken.

Egal, jetzt wird es durchgezogen und als Motiv hatte ich eine U-Bahn im Kopf, da die zumindest im Bahnhofsbereich meist ähnliche Geschwindigkeiten fahren und sich auf Gleisen bewegen, was das eh schon schwierige Fokussieren wenigstens nicht unnötig weiter erschwerte.

In Bochum haben wir glücklicherweise ein paar ganz interessante U-Bahn Stationen, zum Teil illuminiert, zum Teil mit Graffiti (offiziell und legal) verschönert.
Gut, dass die beiden aufgesuchten Stationen (Westpark & Bermuda3Eck) unterirdisch sind, sodass ich mir wegen des Sturms keinerlei Sorgen machen musste.

Beim ersten Versuch nahm ich doch tatsächlich die Rolleicord, mal ganz abgesehen davon, dass die 75mm Festbrennweite auf dem kleinen Bahnsteig fast zu lang war, musste ich mit der analogen Kamera schnell aufgeben. Pro einfahrendem Zug hatte ich genau eine Chance, den gewünschten Ausschnitt zu treffen, synchron mit der Bahn die Kamera mitzubewegen, die Geschwindigkeit richtig zu schätzen und dabei auszulösen.

Zug Langzeitbelichtung ohne mitzuziehen
16mm | f7.1 | 1/20 Sek. | ISO 1600

In diesem Fall ist es wirklich problematisch, dass ich nicht sofort prüfen kann, was am gemachten Bild stimmt und was für den nächsten Versuch geändert (z.B. besseres Timing siehe obe, andere Verschlusszeit) werden muss. Sonntags dauert es schon häufiger 10 – 15 Minuten bis die nächste Bahn einfährt. Ich hätte zwar jedes Mal die Bahnsteigseite wechseln können, um weniger lange auf die nächste Chance warten zu müssen, aber nicht ohne jedes Mal alles neu einzustellen.

Egal, Teddy und Laura waren auch dabei und hatten sowieso nach dem dritten Zug keine Lust mehr, v.a. weil es dort unten bitter kalt und zugig war. Sodass wir nach dem vierten Zug abgebrochen haben.
Aller Widrigkeiten zum Trotz habe ich eine Rolle Portra 160 (viel zu langsamer Film, um in U-Bahnhöfen zu fotografieren) verschossen und bin gespannt, ob vielleicht ein Treffer dabei sein wird. Zumal ich neben den Mitziehversuchen, auch ein paar Stills fotografiert habe.

Am darauffolgenden Tag, ja ich weiß, eigentlich ist schon KW11, aber ohne halbwegs sinnvolles Bild wollte und konnte ich das Thema nicht abschließen. So bin ich mit der digitalen Kamera und Stativ zur U-Bahnhaltestelle Bermuda3Eck gegangen und der Spass konnte losgehen.

Weiter unten seht Ihr einen der vielen Versuche des heutigen Tages. Es sollte dauern und viele Züge brauchen, bis ich den Dreh halbwegs raus hatte.
Anfänglich habe ich vom Stativ fotografiert, mit deaktivierten Bildstabilisator; fokussiert hatte ich zuerst manuell, damit zwischen den Auslösungen der Reihenaufnahme nicht noch Zeit für das Nachfokussieren verloren geht.
Dann habe ich die Halbautomatik eingestellt, um eine Verschlusszeit zwischen 1/15 und 1/50 Sek auszuwählen, die Kamera kümmert sich dafür um die Blende. Jetzt musste ich nur noch den ISO-Wert entsprechend nach oben anpassen, um wenigstens Blende 5,6 und damit etwas mehr Schärfentiefe zu erhalten.

Falscher Bildausschnitt, schlechtes Timing und ungleichmäßiges Mitziehen
16mm | f5.6 | 1/40 Sek. | ISO 3200

Nachdem all das keine Wirkung gezeigt hatte und auch nach dem 5. Zug das Mitziehen noch nicht richtig klappen wollte, kam ich nach und nach auf die richtige Spur.
Im ersten Step versuchte ich, die Kamera bei nun eingeschaltetem Bildstabilisator in der Hand haltend nachzuführen. Dies war für mich deutlich einfacher. Somit stimmte meistens der Bildausschnitt.
Jetzt musste nur noch der Fokus richtig sitzen. Dazu stellte ich die Kamera auf AF-Servo und wählte den mittleren Fokuspunkt.

Anmerkung: AF-Servo bedeutet, dass die Kamera bei sich bewegenden Motiven den Autofokus nachführt.

Die berechtigte Frage lautet, warum ich diese Fokusvariante nicht schon zu Anfang angeschaltet habe…, schlicht und einfach aus dem Grund, daß ich bei früheren Gelegenheiten wegen der hohen Fehlerquote sehr viel Ausschuss produziert habe.
Aber in diesem Fall brachte mich das einem brauchbaren Ergebnis näher und weitere zwei Züge später, hatte ich es endlich geschafft.

16mm | f5.6 | 1/50 Sek | ISO 3200

Vielleicht finde ich morgen Zeit, dann versuche ich das Ganze in einer weiteren U-Bahn-Station. Optisch ist sie deutlich ansprechender, aber auch sehr stark frequentiert, sodass alleine die Menschenmassen eine Herausforderung darstellen werden.

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